BASF Ludwigshafen

BASF Areal in Ludwigshafen
© BASF SE

Auf 10 Quadratkilometern betreibt die BASF in Ludwigshafen das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt.

Alles beginnt im 19. Jahrhundert mit einem Abfallprodukt: Wird Leuchtgas oder Koks produziert, fallen große Mengen Steinkohleteer an – und die werden in Fässer verladen und ins Meer gekippt. Friedrich Engelhorn, Leuchtgasfabrikant in Mannheim, sieht das Potenzial: Er greift aktuelle Forschungen auf und nutzt das vormals wertlose Produkt zur Herstellung von Fuchsin, einem roten Farbstoff, und Anilin, dem aus Steinkohleteer gewonnenen Ausgangsstoff . Mit Erfolg: 1865 expandiert er und gründet die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“. Hier sollen nicht nur Farbstoffe, sondern auch alle Vor- und Zwischenprodukte hergestellt werden, die man für deren Produktion braucht. Doch seine Heimatstadt hat keinen Platz für ihn. Seine neue Fabrik lässt er am gegenüberliegenden Rheinufer in Ludwigshafen errichten.

Größter Chemiekonzern der Welt

Das Unternehmen entwickelt sich rasch und expandiert: Niederlassungen und Vertretungen in den USA, Russland und in Frankreich entstehen. 1888 richtet die BASF ein eigenes Forschungslabor mit angeschlossenem Patentlaboratorium ein. Zur Jahrhundertwende, noch zu Lebzeiten des Gründervaters, ist das Ludwigshafener Unternehmen die größte chemische Fabrik der Welt.

Heute hat die BASF einen Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Euro und rund 112.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie ist Weltmarktführer in ihrem Gebiet und in über 80 Ländern vertreten. Rund 380 Produktionsstandorte betreibt das Unternehmen, das seit 2008 als europäische Aktiengesellschaft (SE, Societas Europaea) firmiert, in aller Welt. Hauptstandort ist aber nach wie vor Ludwigshafen: Hier besitzt die BASF das weltweit größte zusammenhängende Chemieareal.

Von Indigo, dem Farbstoff für blaue Jeans über Mittel gegen Mehltau bis hin zu Styropor oder dem Kühlerschutzmittel Glysantin – die Produkte des Chemieriesens sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber es sind weniger die Endprodukte für den Verbraucher als vielmehr die unzähligen Zwischenprodukte und chemischen Stoffe, die an weiterverarbeitende Industrien – insbesondere die Chemie-, Automobil-, Energie- und Bauindustrie sowie die Landwirtschaft – geliefert werden. Kaum vorstellbar, wenn diese fehlen würden.

Proteste gegen Gentechnik

Doch es gibt auch Kritik: Umweltverbände und Entwicklungshilfeorganisationen protestieren immer wieder gegen die Unternehmenspolitik – sei es wegen der Herstellung umweltgefährdender Produkte oder wegen des Verkaufs von gentechnisch verändertem Saatgut und Pestiziden an Kleinbauern in Entwicklungsländern.

Die Kritik bleibt nicht ohne Wirkung. BASF hat viel an seiner Ausrichtung gearbeitet: Eines der wichtigen Ziele des Unternehmens, so postuliert die BASF, ist der Kampf gegen den Hunger: Pflanzenschutzmittel, aber auch genetische Veränderungen sollen die Pflanzen vor Krankheiten und Schädlinge, vor Trockenheit und Hitze schützen. Doch Kritiker, insbesondere in Deutschland, fürchten auch hier unvorhersehbare Risiken für Mensch und Natur. – Die Sparte Gentechnik verlagerte das Unternehmen 2012 nach anhaltenden Protesten komplett in die USA.

Portrait Friedrich Engelhorn
© BASF Corporate History

Friedrich Engelhorn (1821–1902), Gründer der BASF.

Forschung als Erfolgsrezept

Geforscht wird aber nicht nur zur in Europa ungeliebten Gentechnik: Die Entwicklung neuer Produkte, wie etwa stärkere und langlebige Energiespeicher, die Aufbereitung von Wasser oder Alternativen für den Rohstoff Erdöl, sieht das Unternehmen als wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung. Rund 10.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit an etwa 3.000 Forschungsprojekten – auch gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft.

Das jahrhundertealte Erfolgsrezept des Unternehmens hat sein Vorstandsvorsitzender Kurt Bock zusammengefasst: „Wir spüren gesellschaftliche Trends und Anforderungen der Menschen auf. Wir suchen nach Wegen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Dann wird geforscht, entwickelt, getestet und am Ende verkaufen wir ein neues Produkt. So entstehen Innovationen.“ – Dies ist sicherlich ganz im Sinne von Gründer Friedrich Engelhorn.