Dein Tag für Afrika

Aktion Tagwerk in Ruanda und der Elfenbeinküste.
© Bernd Weisbrod, Ingelheim

Aktion Tagwerk in Ruanda und der Elfenbeinküste.

Wenn jemand Nora Weisbrod vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass sie einmal weithin bekannt und mehrfach ausgezeichnet würde, dann hätte sie bestimmt fröhlich und ein wenig ungläubig gelacht. Damals, zur Jahrtausendwende, zogen sie und ihre Mitschüler auf einem Solidaritätsmarsch durch Ingelheim, um Spenden zu sammeln für Projekte im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda. „Go for Ruanda“ hieß die Aktion, die die 16-Jährige an ihrer Schule organisiert hatte. Sie war Grundlage für das, was in den kommenden Jahren folgte: die Gründung des Vereins „Aktion Tagwerk“, der seit 2003 in jedem Jahr die bundesweite Kampagne „Dein Tag für Afrika“ organisiert. Für diesen Tag haben sich bis 2015 insgesamt 2,3 Millionen Schüler engagiert.

Arbeit für Bildung

Was als kleine Aktion in Rheinland-Pfalz begann, ist mittlerweile bundesweit bekannt: Aus wenigen Hundert Teilnehmern sind im Laufe der Jahre viele Tausend geworden – und es kommen jedes Jahr neue hinzu. Für „Dein Tag für Afrika“ gehen Schülerinnen und Schüler an einem Tag nicht zur Schule, sondern arbeiten, veranstalten einen Spendenlauf oder sammeln mit anderen kreativen Aktionen Geld. Mit dem Arbeitslohn und den Spenden werden Bildungsprojekte in Ruanda und anderen afrikanischen Ländern unterstützt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Jahr 2015 erarbeiteten bundesweit 181.000 Schülerinnen und Schüler rund 1,3 Millionen Euro für eine Chance auf Bildung in Afrika.

Schon als Schülerin hatte sich Nora Weisbrod ehrenamtlich bei der Kinderhilfsorganisation Human Help Network (HHN) engagiert, reiste damals da erste Mal nach Ruanda. Und erlebte vor Ort, dass viele Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Bildung haben. Sie können nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen und haben nur wenige Chancen, einen Beruf zu lernen. Diese Situation ließ die junge Mainzerin nicht mehr los. Sie entwickelte gemeinsam mit Ewald Dietrich, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden von HHN, die Idee der Solidaritätsmärsche weiter und baute als Geschäfts­führerin von HHN den gemeinnützigen Ver­­ein „Aktion Tagwerk“ mit auf und aus.

Vom Projekt zur Stiftung

Um die vielen Projekte für Kinder und Jugendliche in Not auch langfristig besser unterstützen zu können, hat „Aktion Tagwerk“ eine gemeinnützige Stiftung gegründet. Wenn der Verein mehr Geld sammelt als die vorgeschlagenen Projekte zurzeit benötigen, kann der Erlös an die Stiftung Tagwerk weitergegeben werden.

Fester Projektpartner ist von Anfang an die Kinderhilfsorganisation Human Help Network. Daneben werden auch einzelne Projekte anderer Organisationen unterstützt. HHN setzt sich für die Rechte und ein besseres Leben für Kinder ein, und das nicht nur in Ruanda, mit dem Rheinland-Pfalz seit 1982 eine Partnerschaft pflegt. Auch in anderen afrikanischen Ländern wie Burundi, Südafrika oder Uganda sowie in Thailand und Kambodscha engagiert sich der gemeinnützige Verein. Hier werden Schulen gebaut und Ausbildungszentren finanziert, es gibt Hilfsangebote für Haushalte, in denen Kinder alleine leben, für junge alleinerziehende Mütter und Straßenkinder.

Nora Weisbrod und Bundespräsident Joachim Gauck
© Bundespressestelle

Nora Weisbrod, Leiterin der Kampagne „Dein Tag für Afrika“, wird von Bundespräsident Joachim Gauck mit einem Verdienst­orden ausgezeichnet.


Ausgezeichnetes Engagement

Ihr außerordentliches Engagement beeindruckt nicht nur ihre Umgebung: Stellvertretend für „Aktion Tagwerk“ wurde Nora Weisbrod mehrfach ausgezeichnet, wie zum Beispiel mit dem begehrten Medienpreis „Bambi“. 2015 erhielt sie die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Mit den Preisen wurde nicht nur ihr Engagement gewürdigt, sondern auch das Projekt: „Aktion Tagwerk“ und seine Idee, dass Kinder und Jugendliche aus Deutschland Gleichaltrigen in Afrika helfen, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, ihre Chancen auf qualifizierte Bildung und ein selbstständiges Leben zu verbessern.