Rheinland-Pfalz ist reich an Kultur, reich an Kunst – und reich an Menschen, die sich ihr verschrieben haben. Der kulturelle Terminkalender des Landes ist Tag für Tag prall gefüllt:

Ob Bildende oder Darstellende Kunst, Klassik, Rock oder Techno-­Musik, ob Szenekunst oder Museumsleben, traditionelle Festkultur oder historische Kulturgüter – es gibt viel zu sehen, zu hören, zu staunen. Und nicht wenige bedeutende Künstler und Kulturschaffende entstammen dem Land – wie der Maler Anselm Feuerbach und der Dadaist Hugo Ball, der Musikproduzent Frank Farian, die Sängerin Mary Roos und der Tenor Fritz Wunderlich oder die Schriftsteller Anna Seghers, Clemens Brentano, Carl Zuckmayer und Charles Bukowski.

Hugo Ball
© akg images

Der Dadaist Hugo Ball wurde 1886 in Pirmasens geboren.

„Die vier Jahreszeiten“ am Pfalztheater Kaiserslautern.
© Stephan Walzl

Tanzkunst der Spitzenklasse: „Die vier Jahreszeiten“ am Pfalztheater Kaiserslautern.

Theater

Die Theater und Bühnen des Landes gestalten einen wichtigen Teil des kulturellen Lebens. Größtes Haus im Land: das ­Staatstheater Mainz. Es ist ein Mehr-Sparten-Haus, das an drei Spielstätten Opern, Tanz, Schauspiele und Konzerte sowie Kinder- und Jugendstücke aufführt. Seit 2014 ist Markus Müller Intendant des Hauses. Neben zahlreichen Gästen prägen fünf Hausregisseure und die beiden israelischen Choreografen Guy Weizman und Roni Haver das künstlerische Profil – ebenso wie ein starkes Ensemble und die tanzmainz Compagnie.

Außer dem Staatstheater gibt es noch drei große kommunale Häuser mit eigenem Ensemble: das Theater Trier, das Theater Koblenz und das Pfalztheater Kaiserslautern. Ohne eigenes Ensemble, aber mit bunt gefächertem Programm lockt das Theater im Pfalzbau nach Ludwigshafen.

Die Theaterkultur lebt auch von den privaten Machern. Sieben Bühnen ergänzen das staatliche Angebot – darunter die Landesbühne Rheinland-Pfalz, die im Schlosstheater Neuwied ihren Sitz hat, die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Mainzer Kabarett- und Kleinkunstbühne Unterhaus sowie die Mainzer Kammerspiele, deren Spektrum vom traditionellen und experimentellen Sprechtheater über aktuelle Revuen bis hin zu Musicals für Kinder reicht.

Rund 35 freie Theatergruppen und Solisten zählt der Landesverband professioneller freier Theater Rheinland-Pfalz e. V. Die Theatermacher touren mit ihren Stücken durchs Land oder treten in der eigenen Spielstätte auf. Hier wird alles geboten: Sprechtheater, Kinder- und Jugendtheater, Figuren- oder Volkstheater, Pantomime und Clowntheater, experimentelles Theater und Mischformen mit Musik, Artistik, Figurenspiel oder Tanz.

Doch was wäre die Theaterszene ohne die vielen Amateur-Theatergruppen, in denen sich Laienschauspieler zusammenfinden, um gemeinsam etwas auf jene Bretter zu bringen, die die Welt bedeuten? Rund 150 Bühnen haben sich im Landesverband Amateurtheater Rheinland-Pfalz zusammengeschlossen, darunter auch Mundarttheater wie der Theaterverein Rengen aus Daun in der Eifel, der in unterhaltsamen Stücken den regionalen Dialekt pflegt.

Zu den Höhepunkten der Theaterkultur in Rheinland-Pfalz zählen seine traditionsreichen Theaterfestivals wie die Burgfestspiele in Mayen oder die Festspiele in Oppenheim. Weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt sind die Nibelungenfestspiele, die mit Theater- und Filmgrößen wie Dieter Wedel, Joachim Król oder ­Mario Adorf den Stoff rund um die alte Sage in immer neuen Varianten darbieten und damit jedes Jahr Zehntausende Zuschauer nach Worms ziehen.

Nibelungfestspiele
© Marion Bührle

Liebe, Verrat, Mord und Leidenschaft: Die Nibelungenfestspiele in Worms.

Literatur

Viele verbinden das Literaturland Rheinland-Pfalz mit den Namen großer Autorinnen und Autoren wie Anna Seghers und Carl Zuckmayer oder Hanns-Josef Ortheil und Ursula Krechel – um nur einige zu nennen. Die Literaturlandschaft ist so vielfältig wie das Land selbst. Mehr als 600 Autoren und Autorinnen verzeichnet das Literatur-Lexikon Rheinland-Pfalz in seiner Online-Ausgabe. Von Rheinhessen über die Eifel bis in die Pfalz leben und lebten hier Schriftsteller, die weit über die Landesgrenzen hinaus ihre Spuren hinterlassen.

Unterstützt wird die Literaturszene insbesondere durch die Landesverbände des Literaturwerks und des Verbands der Deutschen Schriftsteller sowie das Mainzer Literaturbüro. Sie organisieren Lesungen, betreuen Events und sind Anlaufstelle für Autoren.

Seit 2014 hat Rheinland-Pfalz auch eine Buchmesse. Jährlich stellen sich in der Alten Lokhalle in Mainz rund 50 Verlage und Buchhandlungen vor. Die traditionsreiche Mainzer Minipressen-Messe präsentiert – mittlerweile alle zwei Jahre – die Arbeiten von Kleinverlegern, Handpressendruckern, Buchkünstlern und Autoren.


Zu den wichtigsten Förderungen für rheinland-pfälzische Autoren gehören der Martha-Saalfeld-Förderpreis, der Georg-K.-Glaser-Preis sowie der Gerty-Spies Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz vergibt den mit 50.000 Euro dotierten Joesph-Breitbach-Preis, eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen in Deutschland. Die Landesverbände des Literaturwerks und des Verbands deutscher Schriftsteller prämieren alle zwei Jahre das Debüt des Jahres.

FofoTank

Band, Bad-Bergzabern

Musik

Drei professionelle Staatsorchester hat das Land: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Sitz in Ludwigshafen ist das größte und bedeutendste Orchester des Landes. Hier musizieren 88 Spitzenmusiker aus 16 Nationen unter Leitung von Dirigent Karl-Heinz Steffens – sie interpretieren große Sinfonik und Kammermusik, aber auch Filmmusik oder Jazz. Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie in Koblenz gibt Konzerte im In- und Ausland und begleitet Vorstellungen des Koblenzer Theaters. Drittes Sinfonieorchester im Land ist das Philharmonische Staatsorchester Mainz, das Hausorchester des Staatstheaters Mainz.

Eigene Orchester haben darüber hinaus auch die Theater in Kaiserslautern und Trier. Die 2007 gegründete Deutsche Radio Philharmonie ist das jüngste deutsche Rundfunksinfonieorchester.

Wettbewerbe wie „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“ lassen die musikalischen Talente des Landes nicht unentdeckt. Diese können später ihre Fähigkeiten an der Hochschule für Musik in Mainz vertiefen, der einzigen Musikhochschule des Landes.

Rock, Hiphop, Metal, Pop: Auch moderne Musikstile haben ihren Platz. Zum Beispiel beim „Rockbuster“, dem wichtigsten Nachwuchswettbewerb in Rheinland-Pfalz. Jedes Jahr werden in spannenden Ausscheidungsrunden die drei besten Newcomer des Landes gesucht. Krönender Abschluss ist dann das viel umjubelte Finale auf dem Open-Ohr-Festival in Mainz. Beim Band-Contest „Rock‘n‘ Mendig“ gewinnt der Sieger einen Gig vor 90.000 Fans auf dem Festival „Rock am Ring“ in Mendig.

Festivals sind im musikalischen Leben des Landes die Höhepunkte. Und sie sind so bunt und unterschiedlich wie der Musikgeschmack ihrer Fans: So zum Beispiel das internationale „Mosel Musikfestival“, die Jazz-Festivals „Bingen swingt“ und „Jazz und Joy“ in Worms, „Rock am Ring“ am Flugplatz Mendig, das „Festival RheinVokal“, das in den Sommermonaten Kirchen, Schlösser und Klöster bespielt, oder „Nature One“, eines der größten Techno-Festivals in Europa, das auf einer ehemaligen Raketenbasis im Hunsrück gefeiert wird.

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz unter der Leitung von Chefdirigent Karl-Heinz Steffens
© Markus Proßwitz

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Chefdirigent Karl-Heinz Steffens wurde 2015 zum „Orchester des Jahres“ gekürt.


Fast die Hälfte der rund 1.000 professionellen Bildenden Künstlerinnen und Künstler, die in Rheinland-Pfalz leben, haben sich im Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz (BBK) zusammengeschlossen. Der Verband ist damit eine der großen Künstlerorganisationen im Land.

Bildende Kunst

Einmal im Jahr öffnen die Bildenden Künstler – die Maler, Bildhauer, Zeichner und Grafiker im Land – ihre Ateliers, um dort mit Interessierten über ihre Gemälde und Zeichnungen, über Fotografien, Installa­tionen oder ihre Objekte zu sprechen. Eine Übersicht über die Künstler ist beim BBK erhältlich – Stichwort „Adressheft Offene Ateliers“.

Die Bildhauerin Sabine Hart öffnet ihr Atelier in der ehemaligen Waggonfabrik in Mainz.
© Katharina Dubno

Die Bildhauerin Sabine Hart öffnet ihr Atelier in der ehemaligen Waggonfabrik in Mainz für interessierte Besucher.


Zeitgenössische Kunst sehen und erleben kann man seit 2008 auch in der Kunsthalle Mainz. Wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler wie Lois Weinberger, Thomas Schütte, Monica Bonvicini oder Bruce Nauman geben Einblick in die Kunst der Gegenwart. Viel beachtet wurde hier die Ausstellung „Les Gueules Cassées – Narben des Ersten Weltkrieges in der zeitgenössischen Kunst“. Zehn Kunstvereine präsentieren Gegenwartskunst auch in anderen Teilen des Landes, zum Beispiel in Sulzbach, Bad Kreuznach, Pirmasens oder Frankenthal.

Die Hinführung zur Kunst beginnt bereits im Kindesalter in den Jugendkunstschulen. (Freie) Bildende Kunst kann man mit unterschiedlichen Schwerpunkten an der Kunsthochschule Mainz, die zur Johannes Gutenberg-Universität gehört, studieren.

Kulturförderung

Wenn Kunst und Kultur im Land wachsen und gedeihen sollen, braucht es Menschen, die sich dieser Sache annehmen. Und die finanziellen Mittel, die ihre Arbeit ermöglichen. Dazu gibt es die öffentlichen und privaten Fördervereine und Stiftungen – wie die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur. Sie soll im Auftrag des Landes die Kulturförderung sichern. Die Stiftung unterstützt den Kauf wertvoller Kunstgegenstände und Kulturgüter, fördert Ausstellungen, Symposien und Workshops – kurz alles, was zum Verständnis von Bildender Kunst und Kultur oder zur Begegnung von Künstlern und Kunstinteressierten beiträgt.

Das renommierte Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems, das zur Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur gehört, fördert Künstlerinnen und Künstler der Bildenden Kunst aus aller Welt mit Stipendien.

Gleichzeitig ist das Schloss ein Ort der Begegnung zwischen Künstlern, Wissenschaftlern und Kunstinteressierten.

Eliteförderung in der Kammermusik – das hat sich die Villa Musica auf die Fahnen geschrieben. Die Landesstiftung fördert mit Unterstützung des SWR herausragende junge Musikerinnen und Musiker und veranstaltet mehr als 140 Konzerte im Jahr. Ihre Akademie für Kammermusik im Barockschloss im Neuwieder Stadtteil Engers genießt weit über die Landesgrenzen hinaus hohe Anerkennung.

Weitere Stiftungen im Land tragen ihr Stiftungsziel im Namen wie etwa die Landesstiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck oder die Stiftung Hambacher Schloss.

Künstlerhaus Schloss Balmoral
© Künstlerhaus Schloss Balmoral

Künstlerhaus Schloss Balmoral: Richard Wagner schrieb hier an seinem „Parsifal“. Heute leben und arbeiten Stipen­diaten der Bildenden Kunst in der spätklassizistischen Villa.

Baukultur

Baukultur, Baukunst und Umweltgestaltung zu fördern, ist Anliegen der Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz. Sie trägt gemeinsam mit der Architektenkammer, dem Ministerium der Finanzen sowie der Investitions- und Strukturbank des Landes das Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz. Das Zentrum, das sein Zuhause im Mainzer Brückenturm gefunden hat, ist Plattform für Veranstaltungen und Ausstellungen und Rahmen für Diskussionen über das zeitgenössische Planen und Bauen und deren gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Architektur erleben kann man jedes Jahr am Tag der Architektur. Hier öffnen Bauherren ihre Türen und ermöglichen Architektur­interessierten einen Blick auf die aktuelle Baukultur. Eingebunden ist dieser Tag in die Woche der Baukultur der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, in der im ganzen Land zu Aktionen und Veranstaltungen zu den Themen Baukultur und Baukunst eingeladen wird.

Max Slevogt: Bal paré.
© U. Rudischer, Landesmuseum Mainz – GDKE

Max Slevogt: Bal paré.

Museen

Wo kann man Kunst und Kultur besser erleben als in Museen, Sammlungen, Kunsthallen? Mehr als 400 davon gibt es im Land, darunter die drei Landesmuseen in Mainz, Koblenz und Trier, aber auch kleine Spezialmuseen für Liebhaber wie etwa das Orgel Art Museum in Windesheim oder das Deutsche Flippermuseum in Neuwied.

Das Landesmuseum Mainz ist eines der ältesten Museen in Deutsch­land. Hier, in einem ehemaligen kurfürstlichen Marstall, befindet sich die bedeutendste und älteste kunst- und kulturgeschichtliche Sammlung des Landes. Gezeigt werden Exponate von den Anfängen der Kultur bis zur Kunst der Gegenwart. Sonderausstellungen widmen sich regelmäßig speziellen Themen wie dem „letzten“ Ritter Franz von Sickingen in „Ritter! Tod! Teufel?“.

Das Mainzer Landesmuseum betreut auch die Max-Slevogt-Galerie auf Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben. Slevogt ist einer der wichtigsten deutschen Impressionisten und hat in seinen Werken die anmutigen Landschaften der Pfalz festgehalten.

Das Rheinische Landesmuseum in Trier zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen in Deutschland. Hier findet der Besucher unter anderem eine außergewöhnliche Fülle an gut erhaltenen Zeugnissen aus der Römerzeit – kein Wunder, verdankt Trier doch den Römern seinen Status als Weltkulturerbestadt.

Der Kulturgeschichte der Technik kann im Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein nachgegangen werden, wo auch die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region erfassbar wird.

Weitere bedeutende Museen mit großen Sammlungen an Kunstobjekten und Exponaten sind unter anderem das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft gehört, und das Gutenberg-Museum in Mainz, das Historische Museum der Pfalz in Speyer, das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sowie die Pfalzgalerie in Kaiserslautern. Eines der populärsten Kunstmuseen des Landes ist das Arp Museum im Bahnhof Rolandseck – wegen der Sammlung moderner Kunst des Künstler-Ehepaares Hans Arp und Sophie Täuber-Arp, aber auch wegen des spektakulären architektonischen Ensembles mit klassizistischem Bahnhofsgebäude und dem von Richard Meier entworfenen Neubau.

Über die Geschichte und die Lebensweise früherer Bewohner des Landes informieren zwei große Freilichtmuseen: das Volkskundemuseum Roscheider Hof und das Freilichtmuseum Bad Sobernheim. Die Geschichte des Bergbaus kann man in mehr als zehn Besucherbergwerken erfahren.

Anfassen, mitmachen, ausprobieren, nachfragen – das alles ist in vielen Museen mittlerweile erlaubt und gewünscht: an Aktionstagen, bei Sonderführungen oder Familienausstellungen. Kleine und große Kulturinteressierte finden alle aktuellen Angebote auf www.abenteuer-museum.rlp.de.


In Rheinland-Pfalz gibt es mehr als 400 Museen. Davon sind 210 in öffentlicher Trägerschaft und etwa 180 sind privat. Mehr als 4,5 Millionen Menschen ­besuchten 2014 die rheinland-pfälzischen Museen. Die größten Anziehungsmagneten waren die fast 400 Sonder­ausstellungen – darunter die große Max-Slevogt-­­Aus­stellung im Landesmuseum Mainz.


Nachts im Museum – das gibt es zum Beispiel in Mainz, Koblenz, Speyer oder Trier. Die beliebten Museumsnächte ziehen Tausende von Besuchern in die Ausstellungshäuser. Je nach Stadt gibt es sie im Frühjahr oder Sommer, in jährlichem oder zweijährigem Abstand. Mit Literatur, Musik und Tanz sowie passendem Speis‘ und Trank sind die „Langen Nächte der Museen“ Highlights des kulturellen Eventkalenders.

Historische Museum der Pfalz in Speyer
© André Körner/Historisches Museum der Pfalz

Das 1910 eröffnete Historische Museum der Pfalz in Speyer gehört mit 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und einer Sammlung mit mehr als 300.000 Exponaten zu den großen Museen Deutschlands.


Vier Unesco-Welterbestätten und damit vier der wichtigsten kulturellen Schätze der Menschheit liegen in Rheinland-Pfalz: der Kaiserdom zu Speyer, die Römerbauten, Dom und Liebfrauenkirche in Trier und die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals. Der obergermanisch-rätische Limes als Teil des grenzüberscheitenden Welterbes „Grenzen des Römischen Imperiums“ läuft ebenfalls durch Rheinland-Pfalz.

Das kulturelle Erbe

Die Regionen des heutigen Rheinland-Pfalz stellten nicht nur zur Römerzeit, sondern auch im Mittelalter und der Neuzeit die regionalen und überregionalen Machtzentren der weltlichen und geistlichen Landesherren. Ihre Herrschaftssitze gehören heute zu den wichtigsten und schönsten Zeugen ihrer Zeit. Mehr als 500 Burgen und Schlösser, die Dome in Mainz, Speyer und Worms, die Ingelheimer Kaiserpfalz, das Alzeyer Schloss und unzählige weitere Baudenkmäler aus 2.000 Jahren Geschichte prägen das Gesicht des Landes. Zu ihnen zählen – um nur einige der Highlights des Landes zu nennen – das Schloss Stolzenfels und die Burg Pfalzgrafenstein sowie die Festung Ehrenbreitstein im Mittelrheintal, die Burg Trifels und das Schloss Villa Ludwigshöhe in der Pfalz, die Nürburg in der Hocheifel und die Burg Nassau im Taunus.

Diesen reichen Schatz zu sichten, zu erforschen, zu sichern und zu schützen ist Aufgabe der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz. Sie kümmert sich um die Sammlung und systematische Erfassung, die Erforschung und Erhaltung des kulturellen Erbes des Landes. Die Aufgabe teilen sich die verschiedenen Fachdirektionen: Landesarchäologie, Landesdenkmalpflege, die Abteilung Burgen, Schlösser, Altertümer sowie die drei Landesmuseen in Mainz, Trier und Koblenz.

Porta Nigra in Trier
© GDKE Rheinland-Pfalz/Pfeuffer

Die Porta Nigra in Trier, um 180 n. Chr. als Teil der römischen Stadtbefestigung erbaut, ist heute Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Die SchUM-Städte

Die SchUM-Städte Schpira (Sch), Warmaisa (U) und Magenza (M) – die hebräischen Namen für Speyer, Worms und Mainz – waren im Mittelalter bedeutende politische und wirtschaftliche Zentren ihrer Regio­nen und Standorte der ältesten und zeitweise größten jüdischen Gemeinden Europas. Rabbiner und Vorsteher der jüdischen Gemeinden dieser Städte schlossen sich zu einem Bündnis unter der Bezeichnung „SchUM“ zusammen.

SchUM ist schon zu Ende des 11. Jahrhunderts ein wichtiger Faktor im Leben der Gemeinden im Rheinland und weit darüber hinaus. Hier entfalteten sich jüdisches Leben und Gelehrsamkeit, ihre Schulen und Gelehrten waren in ganz Europa bekannt.

Hier trafen sich die Rabbiner zu Synoden. Auch die Entwicklung neuer Architekturformen prägten sie maßgeblich: Bis heute sind in den SchUM-Städten herausragende jüdische Ritualbauten und Denkmäler erhalten geblieben, so etwa die um 1104 eingeweihte Synagoge in Speyer, die zu den ältesten und bedeutendsten nördlich der Alpen zählt, der jüdische Friedhof Heiliger Sand in Worms oder die Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof in Mainz.

Wie wichtig und bedeutend für die Geschichte nicht nur des Judentums in Deutschland diese Verbindung war, soll nun auch ihre Anerkennung als Welterbe bezeugen. Speyer, Worms und Mainz haben deshalb beantragt, als SchUM-Städte auf die Liste der Unesco aufgenommen zu werden. Entschieden wird darüber aber vermutlich frühestens 2019.

Die SchUM-Städte
© Werner Wenzel, Mainz

Alle drei SchUM-Städte verfügen heute wieder über Synagogen für ihre Gemeinden. In Mainz entstand 2010 für die 1938 zerstörte Synagoge der spektakuläre Bau von Manuel Herz. Vor dem Neubau sind Reste des alten Portikus aufgestellt worden.

Bibliotheken und Archive

Rheinland-Pfalz ist Leseland. Hier gibt es mehr als 1.000 Bibliotheken und Büchereien mit Leseecken und Ausleihen, hier ist Sitz der Stiftung Lesen, die sich seit über 25 Jahren für mehr Lesefreude einsetzt. Dreh- und Angelpunkt des bibliophilen Rheinland-Pfalz ist das Landesbibliothekszentrum. Es vereint die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken, die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer, die Rheinische Landesbibliothek sowie die Landesbüchereistellen in Koblenz und Neustadt. Hier finden sich die gesammelten Informationen zum regionalen und kulturellen Erbe des Landes, wissenschaftliche Sammlungen, historische Zeitschriften, digitale Medien und vieles mehr.

Das Gedächtnis des Landes sind die Archive mit ihren Sammlungen teils einzigartiger Dokumente und Materialien. Wie die Landeshauptarchive in Koblenz und Speyer, aber auch die Archivalien der Kirchen, Städte und Gemeinden sowie die privaten Spezial-Sammlungen – z. B. die des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz.

Das Besselicher Stundenbuch von 1488
© LBZ/Rheinische Landesbibliothek

Ein Schmuckstück aus dem Archiv der Rheinischen Landesbibliothek: das Besselicher Stundenbuch von 1488.

Der mehrfache Deutsche Meister Jan Philipp Zymny beim Poetry Slam am Campus Koblenz (2013).
© Univ. Koblenz-Landau/Uniblog, Adrian Müller

Der mehrfache Deutsche Meister Jan Philipp Zymny beim Poetry Slam am Campus Koblenz (2013).

Festivals und Wettstreite

Auch die junge Kultur erhält ihren Raum. Da sind die schon erwähnten Rock- und Popwettbewerbe, da sind aber auch die teils seit vielen Jahren stattfindenden Festivals im Land, die Musik bieten – und mehr. Das Mainzer Open-Ohr-Festival etwa widmet sich jedes Jahr an Pfingsten mit Musik und Theater, Kabarett und Foren einem gesellschaftlich relevanten Thema. Kleine und große Open-Air-Festivals sind in den Sommermonaten u. a. auch in Obererbach, St. Goarshausen, Mendig oder Kastellaun zu finden.

Festivals etwas anderer Art sind die Filmfestivals: 2001 wurde mit dem FILMZ das erste Langfilmfestival in Rheinland-Pfalz gegründet, das seitdem einmal im Jahr mehrere Tage lang Cine­asten nach Mainz zieht. Shorts at Moonlight zeigt jeden Sommer – unter freiem Himmel oder im Zelt – in Mainz und anderen Orten im Rhein-Main-Gebiet spannende, nachdenkliche oder humorvolle Kurzfilme. Das Festival des deutschen Films lockt jährlich Tausende Besucher in die eigens errichtete Zeltlandschaft am Rheinufer in Ludwigshafen. Im idyllischen Städtchen Landau in der Pfalz präsentiert und prämiert das internationale Kurzfilmfestival ­La.Meko jedes Jahr die Werke von Filmemachern aus aller Welt.

Junge Kultur, das sind auch andere, neue Kulturformen – wie der Poetry Slam, eine Art öffentlicher Dichterwettstreit. Im Stile eines sportlichen Wettkampfes kann jeder selbstgeschriebene Texte vor Publikum präsentieren und so gegen andere „Slammer“ antreten. Anders als bei einer „herkömmlichen“ Lesung stehen beim Poetry Slam die „Performance“ und die Interaktion mit dem Publikum im Vordergrund. Performed wird mittlerweile an vielen Orten des Landes mehr oder weniger regelmäßig – wie etwa in Mainz, Kaiserslautern, Koblenz oder Landau.

Weniger literarisch, aber genauso erfrischend ist der Science Slam. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen ihre Themen und aktuellen Forschungsprojekte einem Laienpublikum vor: spannend, lustig oder humorvoll, vor allem aber unterhaltsam und verständlich. Wissenschaft für alle – so ganz und gar nicht trocken. Geslamt wird vor allem in den Uni-Städten des Landes, in Mainz, Kaiserslautern, Koblenz oder Trier.

Feste und Feiern

Ob jung oder alt: Gefeiert wird häufig und gerne im Land – auch das ist ein Stück Kultur. In vielen Orten und Städten wird einmal im Jahr eine Kirmes, Jahrmarkt oder auch Kerb veranstaltet. Typisch für Rheinland-Pfalz sind die Weinfeste. Zu den größten Volksfesten im Land zählt die Fastnacht. Mal heißen die fröhlich-bunten Tage Karneval, mal Fassenacht, mal fünfte Jahreszeit, aber überall im Land sind dann vom 1. Januar bis Aschermittwoch die Närrinnen und Narren los. Die Altweiberfastnacht – mancherorts als Schwerdonnerstag bekannt – eröffnet die Straßenfastnacht. Der Umzug an Rosenmontag ist Höhepunkt der Kampagne.

Hochburg des kulturellen Brauchtums: die Landeshauptstadt Mainz. Von hier aus wird am Fastnachtsfreitag die traditionelle Prunksitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ in Deutschland und die Welt übertragen. Im Gegensatz zu sogenannten reinen „Kokolores“-Sitzungen wird dabei traditionsgemäß und offiziell auch die literarisch-politische Fastnacht gepflegt, die im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Einschränkung der Pressefreiheit entstand. Wie einst die Narren am Hofe, so karikieren und kritisieren die närrischen Redner die gesellschaftlichen Verhältnisse und das politische Geschehen.

Höhepunkt der Feierlichkeiten sind die Fastnachtsumzüge, die sich mit bunten, teils ironischen bis satirischen Motivwagen, kreativ kostümierten Gruppen und Stimmung machenden Musikzügen durch die Straßen schlängeln. Der größte „närrische Lindwurm“ im Land zieht an Rosenmontag durch Mainz, bejubelt von rund 500.000 Närrinnen und Narren.


Die Hochzeit der Wein- und ­Winzerfeste ist der Herbst. Überall im Land wird gefeiert – ob Weinfest oder Kirmes wie im Norden von Rheinland-Pfalz oder Kerwe im Süden. Einige Wein­feste gründen auf den ­Erntedankfeiern. Das „größte Weinfest der Welt“, der Dürkheimer Wurstmarkt, geht auf das mittelalter­liche Markttreiben zur Wallfahrt zurück. Auch die noch jungen ­Feste pflegen ihre Traditionen und lassen jahrhundertealte Bräuche aufleben. Gefeiert wird in Burgen, in historischen Ortskernen, in Weingütern oder mitten in den Weinbergen.

Die Schwellköpp – 1927 vom Mainzer Unternehmer Ludwig Lipp erfunden – sind fester Bestandteil des Rosen- montagsumzugs in Mainz.
© Stadt Mainz

Die Schwellköpp – 1927 vom Mainzer Unternehmer Ludwig Lipp erfunden – sind fester Bestandteil des Rosenmontagsumzugs in Mainz.